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...und wenn es regnet, weiß ich, dass du manchmal weinst...

Ein lautes Hupen, durchdringendes Quietschen der Bremsen, das Auto kommt zum Stehen. Wütende Rufe dringen an ihr Ohr. Sie steht regungslos mitten auf der Straße. War sie nicht eben noch dabei, diese zu überqueren? Wollte sie nicht einfach nur von der einen zur anderen Seite gelangen, weil so nunmal ihr Weg war? Was war überhaupt geschehen? Langsam dreht sie den Kopf zur Seite, sieht einen offensichtlich sehr aufgebrachten Mann aus seinem Auto steigen und auf sie zukommen. "Was ist los mit dir, Mädchen?! Hast du keine Augen im Kopf?? Wenn ich dich erwischt hätte, wäre es nun vorbei mit dir!", schrie er ihr entgegen. Unfähig zur irgendeiner Handlung, stand sie weiterhin regungslos da. Als die sie Stimme des Mannes erreichte, zuckte sie kurz zusammen. Aber er hatte es nicht bemerkt. Zu groß war seine blinde Wut. In ihrem Kopf stürmten die Gedanken, sie hatte noch immer nicht begriffen, was überhaupt los war. Sie schluckte schwer und wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als er sie erneut anschrie. "Hey, kannst du nicht reden oder was? Pass gefälligst besser auf, oder du totgefahren werden?!" Es war keine direkte Frage, eher eine Feststellung, dass dies passieren könnte, wenn sie nicht besser Acht geben würde. Trotzdem trafen die letzten Worte sie wie ein Schlag. Sie bemerkte nicht, wie der Mann wütend abwinkte, sich wieder in sein Auto setzte und davonfuhr. Sie bemerkte nicht, dass sie bereits weiterlief und auch nicht, dass sie beinahe einen zweiten Zusammenstoß gehabt hätte, wenn ihr ein junges Mädchen auf dem Fahrrad nicht ausgewichen wäre. Alles, woran sie noch denken konnte, waren die Worte des Mannes. Wer war er eigentlich gewesen? Kannte sie ihn? Egal. Was hatte er doch gleich gefragt? Ob sie sterben wolle, nicht wahr? Ja, so etwas war es gewesen. Und sie hatte nicht antworten können. Warum nicht? War ihr Mund so trocken gewesen, dass sie ihre Zunge nicht bewegen konnte? Nein. Konnte sie nicht sprechen? Sie probierte es aus, flüsterte einige Worte zu sich selbst. Doch, sprechen konnte sie auch. Also, warum hatte sie dem Mann nicht antworten können? Sicher hätte es seinen Ärger gedämpft, wenn sie sich bei ihm entschuldigt hätte, so wie es sich gehört. So, wie man es sie gelehrt hatte. Aber was war eigentlich passiert? Sie erinnerte sich nur noch daran, dass ein Mann vor ihr gestanden und sie angeschrien hatte. Um was ging es? Sie wusste es nicht. Aber er hatte sie gefragt, ob sie totgefahren werden wolle, das wusste sie, daran konnte sie sich erinnern. Warum hatte sie ihm nicht gesagt, dass es ihr leid täte und dass sie selbstverständlich nicht totgefahren werden wollte? Sie war stehengeblieben und schaute sich nachdenklich um. Wo war sie eigentlich? Achja, das war der Weg, den sie schon so oft gegangen war, wenn es ihr nicht gut ging. Dann lief sie hier entlang, dachte nach und kehrte schließlich nach Hause zurück, ohne zu wissen, worüber sie nachgedacht hatte. Sie hatte die Gedanken nie festhalten können. Sie ging den Weg entlang, wieder kamen ihr die Worte des Mannes in den Sinn. Ob sie totgefahren werden wolle... - Wollte sie? Sie wusste es nicht. Vielleicht?! Aber warum erschreckte sie es nicht, dass sie es nicht wusste? Auch das wusste sie nicht. Traurigkeit stieg in ihr auf. Ja, vielleicht wollte sie es wirklich. Möglicherweise hatte sie dem Mann deshalb nicht antworten können, weil sie es nicht wusste? Ja, das kann gut sein. Sie lächelte und die Traurigkeit verschwand wieder. Sie hatte es einfach nicht gewusst, aber sie konnte ja auch nicht alles wissen. Ihr Gesichtsausdruck wurde immer glücklicher. Aber jetzt, ja. Jetzt wusste sie es. Sie drehte sich um und lief mit einem glücklichen Lächeln auf dem Gesicht nach Hause.
24.9.06 10:06


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